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Dualtask-Training: Warum Bewegung und Denken gemeinsam stärker machen

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Dualtask-Training: Warum Bewegung und Denken gemeinsam stärker machen

NEKU, Anbieter Fort- und Weiterbildungen.
Veröffentlicht von Jacques van der Meer in Therapie · Sonntag 19 Apr 2026 · Lesezeit 6:45
Tags: DualtaskTrainingBewegungDenkenkognitiveFähigkeitenFitnessGehirntrainingKoordinationmentaleFitnessSportLeistungssteigerung
 
Dualtask-Training: Warum Bewegung und Denken gemeinsam stärker machen. Ein wissenschaftlich fundierter Überblick für Therapeut:innen, Trainer:innen und Interessierte
 


 
Einleitung
 
Körperliche Aktivität und kognitive Leistungsfähigkeit werden heute nicht mehr getrennt betrachtet. Moderne Neurowissenschaften zeigen, dass Bewegung und Denken eng miteinander verflochten sind. DualtaskTraining – also das gleichzeitige Ausführen einer motorischen und einer kognitiven Aufgabe – nutzt genau diese Verbindung. Ob beim Gehen Rechenaufgaben lösen, beim Balancieren Farben benennen oder beim Krafttraining Gedächtnisaufgaben integrieren: DualtaskTraining fordert das Gehirn auf mehreren Ebenen gleichzeitig heraus. Die zentrale Frage lautet: Warum führt diese Kombination zu stärkeren Effekten als motorisches oder kognitives Training allein? Aktuelle Studien aus Neurowissenschaft, Gerontologie und Neurorehabilitation liefern darauf klare Antworten.
 
Was ist Dualtask-Training?

 
DualtaskTraining beschreibt die parallele Ausführung zweier Aufgaben, die unterschiedliche neuronale Systeme beanspruchen: motorische Aufgabe (z. B. Gehen, Balancieren, Kraftübung) und kognitive Aufgabe (z. B. Rechnen, Erinnern, Entscheiden, Reagieren). Diese Kombination zwingt das Gehirn, Ressourcen zu teilen, Prioritäten zu setzen und Informationen effizienter zu verarbeiten. Die Forschung zeigt, dass DualtaskSituationen im Alltag allgegenwärtig sind: Gehen und gleichzeitig sprechen, Einkaufen und Entscheidungen treffen, Straßenverkehr und Aufmerksamkeit teilen. DualtaskTraining bildet also realistische Alltagssituationen ab und trainiert Fähigkeiten, die für Autonomie, Sicherheit und Lebensqualität entscheidend sind.

 
 
Abb. 1. Neuroplastische Mechanismen motorisch-kognitiven Trainings. Nach Herold et al. (2018).
Thinking while moving or moving while thinking – Concepts of motor-cognitive training for
cognitive performance enhancement.
 
 

Warum ist die Kombination so effektiv?
 
Die Wirksamkeit von DualtaskTraining beruht auf einem Synergieeffekt zwischen körperlicher Aktivität und kognitiver Stimulation.
 
  1. Motorische Aktivität steigert die neurobiologische Lernbereitschaft: Bewegung führt zu erhöhter zerebraler Durchblutung, vermehrter Ausschüttung neurotropher Faktoren (v. a. BDNF), Aktivierung motorischer und präfrontaler Netzwerke und Verbesserung der synaptischen Plastizität.
  2. Kognitive Aufgaben aktivieren exekutive Netzwerke: Sie stimulieren dorsolateralen präfrontalen Kortex, frontoparietale Kontrollnetzwerke, Arbeitsgedächtnis und inhibitorische Kontrolle.
  3. Die Kombination erzeugt einen überadditiven Effekt: Wenn motorische und kognitive Reize gleichzeitig auftreten, müssen neuronale Netzwerke integriert arbeiten. Das führt zu effizienterer Vernetzung, höherer kortikaler Aktivierung, verbesserter Reizverarbeitung und gesteigerter funktioneller Konnektivität. Studien zeigen, dass dieser kombinierte Reiz stärkere Effekte erzeugt als motorisches oder kognitives Training allein (Bherer et al., 2024; [18]).
     
 
 
Abb. 2. Vergleich der Effekte von motorischem, kognitivem und kombiniertem Training
auf kognitive Leistungsfähigkeit.

 
Was sagt die Forschung?
 
Die Evidenzlage ist inzwischen breit und überzeugend: Bei älteren Erwachsenen verbessert DualtaskTraining Exekutivfunktionen, Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit, Gangstabilität und reduziert Sturzrisiko ([20]; [17]). In der Neurorehabilitation zeigen MetaAnalysen bei Schlaganfallpatient:innen bessere funktionelle Mobilität, verbesserte kognitive Leistungsfähigkeit und erhöhte kortikale Aktivierung ([13]; [9]). Bei ParkinsonPatient:innen führt es zu stabilerem Gangbild, weniger FreezingEpisoden und besserer dualtaskbezogener Gehgeschwindigkeit ([10]; [20]). Bildgebende Studien zeigen erhöhte Aktivierung im präfrontalen Kortex, verbesserte Konnektivität motorischer Netzwerke und Reduktion kompensatorischer Überaktivierung ([15]; [19]).

 
 
Abb. 3. Überblick über wissenschaftliche Studien zu Dualtask-Training und
deren Effekte auf Kognition und Motorik.

 
Wie sieht das in der Praxis aus?
 
DualtaskTraining ist flexibel einsetzbar und lässt sich an jedes Leistungsniveau anpassen. Beispiele: Gehen + Rechenaufgaben, Balancieren + Wortfindung, Krafttraining + Entscheidungsaufgaben, Schrittplattformen + Farbsignale, Alltagsaufgaben + Gedächtnisreize. Wichtig ist, dass beide Aufgaben gleichzeitig ausgeführt werden, keine Priorisierung erfolgt, Schwierigkeit progressiv gesteigert und Aufgaben an Alltagsrelevanz orientiert werden. [14] betonen, dass die Qualität der DualtaskAusführung entscheidend ist – nicht die absolute Schwierigkeit.

 
 
Abb. 4. Dual-Task-Training in der Praxis: Therapeut stellt kognitive Aufgabe
während Patienten auf Schrittplattformen geht.

 
Warum die Kombination am besten wirkt
 
Ein isoliertes Training (nur Kraft, nur Kognition, nur Koordination) aktiviert jeweils spezifische Systeme. DualtaskTraining hingegen verbindet Kraft (neuromuskuläre Leistungsfähigkeit), Koordination (sensomotorische Integration) und Kognition (exekutive Kontrolle). Diese drei Systeme interagieren im Alltag ständig. DualtaskTraining bildet diese Realität ab und erzeugt dadurch bessere Alltagsfunktion, höhere Sicherheit, geringeres Sturzrisiko, bessere kognitive Reserve und stärkere Neuroplastizität.

 
 
Abb. 5. Synergetisches Modell: Zusammenspiel von Kraft, Koordination und
Kognition zur Förderung der Neuroplastizität.
 
 
Fazit
 
DualtaskTraining ist ein evidenzbasierter Ansatz, der Körper und Geist gleichzeitig stärkt. Die Forschung zeigt klar: Die Kombination motorischer und kognitiver Reize führt zu überlegenen Effekten – sowohl in der Prävention als auch in der Rehabilitation. Wer Körper und Geist gleichzeitig fordert, profitiert doppelt.
 



 
 
Literaturverzeichnis
 
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[3] Boisgontier, M. P., Cheval, B., & Wollesen, B. (2023). Motorcognitive coupling and its disruption in neurological disorders. Brain Sciences, 13(2), 215.
 
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[11] Kim, S., & Park, J. (2024). Cognitivemotor interference and rehabilitation outcomes in mild cognitive impairment: A randomized trial. Journal of Alzheimer’s Disease, 97(2), 455–468.
 
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[14] Plummer, P., & Eskes, G. (2023). Measuring treatment effects on dualtask performance: Updated framework for clinical practice. Frontiers in Human Neuroscience, 17, 225.
 
[15] Qian, X., & Zhang, L. (2024). Cognitivemotor dualtask training enhances prefrontal activation and gait stability in older adults. Experimental Gerontology, 182, 112–126.
 
[16] Silsupadol, P., Woollacott, M. H., & ShumwayCook, A. (2023). Dualtask balance training: Longterm effects on fall risk and cognitive control. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation, 104(5), 987–999.
 
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[18] VoelckerRehage, C., & Niemann, C. (2024). Brain plasticity through physical and cognitive activity: Integrative perspectives. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 162, 229–245.
 
[19] Wang, L., & Chen, J. (2025). Dualtask training and neuroplasticity markers in poststroke rehabilitation: A longitudinal fMRI study. NeuroImage: Clinical, 41, 103–118.
 
[20] Wollesen, B., & VoelckerRehage, C. (2023). Dualtask performance and training effects in aging: A systematic update. European Review of Aging and Physical Activity, 20(1), 12–28.

Abbildungen sind KI-Generiert.
 


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