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Übungen im Vierfüßlerstand bei Multipler Sklerose

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Übungen im Vierfüßlerstand bei Multipler Sklerose

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Veröffentlicht von Nadja Kanwischer-Hein in Therapie · Sonntag 19 Jul 2026 · Lesezeit 5 Minuten
Tags: ÜbungenVierfüßlerstandMultipleSkleroseGesundheitPhysiotherapieMobilitätRehabilitationBewegungTherapieFitness
Übungen im Vierfüßler Stand bei Multipler Sklerose
Der Vierfüßler Stand ist eine sichere, vielseitige und therapeutisch sehr wertvolle Ausgangsposition in der neurologischen Rehabilitation. Besonders bei Multipler Sklerose, aber auch bei anderen neurologischen Erkrankungen, können in dieser Position Rumpfstabilität, Gleichgewicht, Koordination und Kraft gezielt trainiert werden. Gleichzeitig unterstützt die aktive Stützposition die Tonusregulation, da der Körper kontrolliert gegen die Schwerkraft arbeitet und die Belastung durch die große Stützfläche gut dosierbar bleibt.
Für Patientinnen und Patienten bietet der Vierfüßler Stand häufig ein hohes Maß an Sicherheit. Durch die große Kontaktfläche ist das Sturzrisiko deutlich reduziert, wodurch Bewegungen angstfreier ausprobiert werden können. Über Stützaktivität, Gewichtsverlagerungen und geschlossene Muskelketten wird der gesamte Körper funktionell aktiviert. Gleichzeitig werden wichtige neuronale Verschaltungen angeregt, die für Haltungskontrolle, Aufrichtung und Fortbewegung bedeutsam sind.

Warum der Vierfüßler Stand therapeutisch sinnvoll ist
  • Schulter- und Rumpfstabilität: Die proximale Stabilität von Schultergürtel, Rumpf und Becken wird gezielt aktiviert. Sie ist eine wichtige Grundlage für kontrollierte Arm- und Beinbewegungen sowie für Feinmotorik.
  • Gleichgewicht und Koordination: Durch die gleichzeitige Belastung aller vier Extremitäten wird die intermuskuläre Zusammenarbeit verbessert. Kleine Gewichtsverlagerungen fördern Körperwahrnehmung, Reaktionsfähigkeit und Bewegungskontrolle.
  • Tonusregulation: Bei spastischen oder schlaffen Paresen kann die aktive Stützposition helfen, den Muskeltonus zu regulieren und ungünstige Haltungsmuster zu hemmen.
  • Anbahnung physiologischer Bewegungsmuster: Wechselnde Gewichtsverlagerungen bereiten funktionelle Bewegungen wie Aufrichten, Stehen und Gehen vor und aktivieren grundlegende Fortbewegungsmuster.

Übungsbeispiele und praktische Ideen
1. Beinheben im Vierfüßler Stand

  • Ausgangsstellung: Vierfüßler Stand.
  • Durchführung: Ein Bein kontrolliert anheben und wieder in die Ausgangsposition zurückführen.
  • Therapeutisches Ziel: Kräftigung des M. glutaeus, Dehnung des M. iliopsoas sowie Verbesserung der Becken- und Rumpfstabilität.
  • Variation: Das angehobene Bein leicht kreuzen, um den M. quadratus lumborum gezielt in Verlängerung und Verkürzung zu aktivieren.
  • Achtung: Ein Hohlkreuz vermeiden und darauf achten, dass das Bein nicht über den Boden schleift.


2. Arm heben im Vierfüßler Stand

  • Durchführung: Einen Arm kontrolliert anheben, kurz halten und wieder in die Ausgangsposition zurückführen.
  • Therapeutisches Ziel: Verbesserung der Schulter-Rumpf-Anbindung, Stützaktivität und Rumpfkontrolle.
  • Variation: Den Arm diagonal vor dem Körper kreuzen, um die seitliche Rumpfaktivität und die Kontrolle des M. quadratus lumborum zu fördern.


3. Greifaufgabe auf Wackelpads

  • Ausgangsstellung: Vierfüßler Stand auf Wackelpads.
  • Durchführung: Die Füße zunächst am Boden lassen. Zur Steigerung können die Füße leicht angehoben werden, um die Instabilität zu erhöhen.
  • Aufgabe: Mit einer Hand nach einem Becher greifen und ihn kontrolliert umgießen oder umstellen.
  • Therapeutisches Ziel: Training von Rumpfstabilität, Zielmotorik und Gleichgewicht. Die Übung eignet sich besonders bei Ataxie, Parese oder erhöhter Tonus Problematik.


4. Diagonales Greifen mit Reifen oder Hütchen

  • Ausgangsstellung: Vierfüßlerstand auf Wackelpads.
  • Material: Ein Hütchen vor der Patientin oder dem Patienten sowie mehrere Reifen oder Hütchen links und rechts daneben.
  • Durchführung: Der jeweils gegenüberliegende Arm greift diagonal zum Reifen oder Hütchen und legt ihn bzw. es kontrolliert über das vordere Hütchen.
  • Steigerung: Zunächst mit den Füßen am Boden üben. Danach können die Füße leicht abgehoben werden, um die Rumpfkontrolle stärker zu fordern.
  • Therapeutisches Ziel: Förderung von Rumpfverlängerung und -verkürzung, Ataxie-Training, Rumpfstabilität und Schulter-Rumpf-Anbindung.


5. Hütchen mit dem Fuß umwerfen
 

  • Ausgangsstellung: Vierfüßlerstand auf Wackelpads.
  • Material: Zwei Hütchen werden hinter den Beinen platziert.
  • Durchführung: Die Patientin oder der Patient versucht, die Hütchen abwechselnd mit dem linken und rechten Fuß kontrolliert umzuwerfen.
  • Therapeutisches Ziel: Verbesserung von Rumpfstabilisation, Gesäßmuskelaktivierung und koordinativer Kontrolle, insbesondere bei Ataxie.




Quellen

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